Mietrendite berechnen
Die Formel für Brutto und Netto — an echten Marktzahlen komplett durchgerechnet, statt an erfundenen Beispielwerten.
Von David Jurinka · Veröffentlicht am 17.07.2026
Brutto-Mietrendite = Jahresnettokaltmiete ÷ Kaufpreis × 100
Netto-Mietrendite = (Jahresnettokaltmiete − nicht umlagefähige Kosten) ÷ (Kaufpreis + Kaufnebenkosten) × 100
Immer mit der Kaltmiete rechnen, nie mit der Warmmiete. Die Bruttorendite ist ein schneller Filter, die Nettorendite die Zahl, die zählt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Bruttorendite taugt zum Sortieren von Angeboten — mehr nicht.
- Die Nettorendite zählt: Sie rechnet Kaufnebenkosten und laufende Kosten mit ein.
- In der Beispielrechnung unten werden aus 3,9 % brutto rund 3,1 % netto — etwa vier Fünftel. Wer dir 4 % verspricht, meint fast immer brutto.
- Die drei häufigsten Fehler: Warmmiete statt Kaltmiete, Kaufnebenkosten vergessen, Instandhaltung ignorieren.
Bruttomietrendite: wozu sie taugt — und wozu nicht
Die Bruttomietrendite ist die Zahl, die in jedem Exposé steht. Sie ist schnell gerechnet und deshalb nützlich: Wenn du dreißig Angebote vor dir hast — etwa die neuen Kauf-Objekte, die dir ein Suchprofil in die Inbox spült —, sortierst du damit in fünf Minuten die aus, bei denen sich das Weiterrechnen nicht lohnt.
Was sie nicht kann: dir sagen, was hinten rauskommt. Sie ignoriert, dass der Kaufpreis nicht der Betrag ist, den du bezahlst — und dass die Kaltmiete nicht der Betrag ist, den du behältst. Beides korrigiert die Nettorendite.
Die Beispielrechnung — mit echten Zahlen
Statt „angenommen, Sie kaufen für 300.000 €“ rechnen wir mit dem, was der Markt tatsächlich hergibt: den Medianwerten aus den von Wohnticker erfassten Kölner Makler-Inseraten. Angenommenes Objekt: eine 70-m²-Eigentumswohnung in Köln.
Schritt 1: Bruttorendite
| Kaufpreis (70 m² × 4.671 €/m²) | 326.970 € |
| Monatliche Kaltmiete (70 m² × 15,33 €/m²) | 1.073,10 € |
| Jahresnettokaltmiete (× 12) | 12.877 € |
| Bruttorendite (12.877 ÷ 326.970 × 100) | 3,9 % |
Median der Angebotspreise aus den von Wohnticker erfassten Kölner Makler-Inseraten (Eigentumswohnungen), Stand 17.07.2026. Dedupliziert; Datenbasis sind ausschließlich Inserate von Makler-Websites. Angebots-, keine Abschlusspreise. Kaufpreis- und Miet-Median stammen aus zwei verschiedenen Objektbeständen — die Rechnung beschreibt ein typisches Kölner Objekt, nicht ein reales einzelnes.
Schritt 2: Was der Kauf wirklich kostet
Der Kaufpreis ist nicht dein Einsatz. Dazu kommen die Kaufnebenkosten — Geld, das sofort weg ist und keine Miete erzeugt. In Nordrhein-Westfalen:
| Kaufpreis | 326.970 € |
| Grunderwerbsteuer NRW (6,5 %) | + 21.253 € |
| Notar & Grundbuch (rund 2 %) | + 6.539 € |
| Maklerprovision, Käuferanteil (3,57 % inkl. USt) | + 11.673 € |
| Gesamtinvestition | 366.435 € |
Die Nebenkosten summieren sich auf 12,1 % des Kaufpreises. Die Grunderwerbsteuer ist Ländersache und reicht von 3,5 % (Bayern) bis 6,5 % (u. a. NRW, Brandenburg, Saarland) — in anderen Bundesländern fällt dieser Block also spürbar kleiner aus.
Schritt 3: Was von der Miete übrig bleibt
Auf der Einnahmenseite gilt dasselbe Prinzip in die andere Richtung: Ein Teil der Kaltmiete gehört dir nur auf dem Papier.
| Jahresnettokaltmiete | 12.877 € |
| Verwaltung (rund 30 €/Monat) | − 360 € |
| Instandhaltungsrücklage (1,00 €/m²/Monat) | − 840 € |
| Mietausfallwagnis (2 % der Jahresmiete) | − 258 € |
| Bleibende Jahresmiete | 11.419 € |
Das sind rund 11 % der Kaltmiete. Die Ansätze sind bewusst moderat gewählt: Bei einem Altbau mit Sanierungsstau liegt die realistische Instandhaltung eher bei 1,50 €/m²/Monat und darüber — dann fällt die Nettorendite entsprechend niedriger aus.
Schritt 4: Die Nettorendite
(12.877 € − 1.458 €) ÷ 366.435 € × 100 = 3,1 % Nettomietrendite
Aus 3,9 % brutto werden 3,1 % netto — rund vier Fünftel. Und das noch vor Steuern und Finanzierungszinsen.
Der Effekt ist kein Kölner Sonderfall: Weil beide Korrekturen prozentual wirken — rund 12 % mehr Einsatz, rund 11 % weniger Miete — bleibt das Verhältnis über Städte hinweg ähnlich. Als Faustregel: Nettorendite ≈ 0,8 × Bruttorendite, solange die Grunderwerbsteuer bei 6,5 % liegt und keine außergewöhnlichen Instandhaltungskosten anstehen. Aus 4,9 % brutto werden so rund 3,9 % netto, aus 3,3 % rund 2,6 %.
Wie die Bruttorenditen in verschiedenen Städten aussehen und was daraus für die Kaufentscheidung folgt, steht im großen Ratgeber Wohnung als Kapitalanlage. Die Kaufpreise pro Quadratmeter für die großen Städte findest du unter Kaufpreise pro m² in Deutschland, den Kölner Markt im Detail unter Wohnung kaufen in Köln.
Was ist eine „gute“ Mietrendite?
Die ehrliche Antwort: Es gibt keine feste Schwelle — und wer dir eine nennt, verkauft dir etwas. Rendite und Risiko hängen zusammen. Die höchsten Bruttorenditen findest du dort, wo Leerstandsrisiko und Wertverlustrisiko am größten sind. Eine 6-%-Wohnung in einer schrumpfenden Region ist keine bessere Anlage als eine 3,5-%-Wohnung in einer wachsenden Stadt — sie ist eine andere Wette.
Als grobe Orientierung, ausdrücklich ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit:
| Bruttorendite | Einordnung |
|---|---|
| unter 3 % | Sehr knapp. Die Anlage trägt sich meist nur über Wertsteigerung — das ist eine Wette, keine Rendite. |
| 3–4 % | Typisch für gefragte Großstadtlagen. Funktioniert bei sauberer Kalkulation und ausreichend Eigenkapital. |
| 4–5 % | Solide. In Deutschland meist in B-Städten und im Ruhrgebiet zu finden. |
| über 5 % | Immer die Gegenfrage stellen: Warum ist das so günstig? Sanierungsstau, schwache Lage, problematischer Mieter — es gibt fast immer einen Grund. |
Die drei häufigsten Rechenfehler
1. Mit der Warmmiete rechnen. Der mit Abstand häufigste Fehler. Die Warmmiete enthält Betriebskosten, die der Mieter zahlt und die du nur durchreichst — Heizung, Wasser, Müll. Als Einnahme zählt ausschließlich die Nettokaltmiete. Bei einer Kaltmiete von 15,33 €/m² und rund 3 €/m² Betriebskosten rechnet sich die Rendite mit der Warmmiete um etwa ein Fünftel schön.
2. Die Kaufnebenkosten weglassen. Sie stehen in keinem Exposé, sind aber real: Im Beispiel oben 39.465 € — Geld, das keine Miete erzeugt und trotzdem zum Einsatz gehört. Wer sie ignoriert, rechnet mit 3,9 % statt mit 3,5 %.
3. Instandhaltung ignorieren. Eine Wohnung ist kein Sparbuch. Heizung, Fenster, Bad und Dach haben eine Lebensdauer, und die endet garantiert — die Frage ist nur wann. Wer keine Rücklage einrechnet, rechnet nicht mit Rendite, sondern mit Glück.
Wenn die Zahl stimmt, fängt die eigentliche Arbeit an
Die Formel ist der leichte Teil. Der schwere ist, überhaupt ein Objekt zu finden, bei dem sie ein gutes Ergebnis liefert — denn Wohnungen mit gutem Verhältnis aus Preis und Miete sind auch für andere Anleger interessant und entsprechend schnell weg — auf einem Portal erscheinen sie oft erst mit Verzögerung, denn Makler veröffentlichen neue Objekte in der Regel zuerst auf der eigenen Website. Warum das so ist, erklärt Wo veröffentlichen Makler ihre Immobilien zuerst? — und welche Wege es zu Anlageobjekten konkret gibt, steht in Renditeobjekte finden.
Schneller an die rechenbaren Objekte: Wohnticker durchsucht mehrmals täglich die Websites von über 1.100 Maklern nach neuen Kauf-Objekten und meldet dir neue Treffer zu deinem Suchprofil per E-Mail — oft, bevor sie auf einem Portal stehen. Damit hast du die Zahlen früh genug, um sie in Ruhe durchzurechnen. Suchprofil einrichten.
FAQ: Mietrendite berechnen
Wie berechnet man die Mietrendite?
Brutto-Mietrendite = Jahresnettokaltmiete ÷ Kaufpreis × 100. Beispiel: 12.877 € Jahreskaltmiete bei 326.970 € Kaufpreis ergeben 3,9 %. Für die aussagekräftigere Nettomietrendite rechnest du: (Jahresnettokaltmiete − nicht umlagefähige Kosten) ÷ (Kaufpreis + Kaufnebenkosten) × 100.
Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettomietrendite?
Die Bruttorendite setzt nur Jahreskaltmiete und Kaufpreis ins Verhältnis. Die Nettorendite berücksichtigt zusätzlich die Kaufnebenkosten auf der Kostenseite und zieht die nicht umlagefähigen laufenden Kosten von der Miete ab. In der Beispielrechnung oben werden aus 3,9 % brutto rund 3,1 % netto — etwa vier Fünftel.
Wie hoch ist eine gute Mietrendite?
Eine feste Schwelle gibt es nicht, weil Rendite und Risiko zusammenhängen: Die höchsten Renditen findest du dort, wo Leerstands- und Wertverlustrisiko am größten sind. Als Orientierung gilt eine Bruttorendite unter etwa 3 % als sehr knapp — dort trägt sich die Anlage meist nur über Wertsteigerung, auf die niemand einen Anspruch hat.
Rechnet man die Mietrendite mit Kalt- oder Warmmiete?
Immer mit der Nettokaltmiete. Die Warmmiete enthält Betriebskosten, die der Mieter zahlt und die du als Eigentümer nur durchreichst — sie sind keine Einnahme. Mit der Warmmiete zu rechnen ist der häufigste Fehler und schönt die Rendite deutlich.
Welche Kosten muss ich von der Mietrendite abziehen?
Auf der Kaufseite: Grunderwerbsteuer, Notar und Grundbuch sowie gegebenenfalls Maklerprovision — mit Makler typischerweise 8–12 % des Kaufpreises, ohne Makler entsprechend weniger. Laufend: nicht umlagefähiges Hausgeld (vor allem Verwaltung und Instandhaltungsrücklage) und ein Ansatz für Mietausfall. Finanzierungszinsen und Steuern kommen je nach persönlicher Situation obendrauf.
Welche Rendite ist bei einer vermieteten Wohnung realistisch?
Das hängt vollständig vom Markt ab, in dem du kaufst. In den von Wohnticker erfassten Makler-Angeboten liegen die Bruttorenditen je nach Stadt zwischen rund 3,3 % und 4,9 % (Stand 17.07.2026) — netto also grob zwischen 2,6 % und 3,9 %, vor Steuern und Finanzierung. Eine vermietete Wohnung wird oft mit einem Abschlag gehandelt, weil der Käufer sie nicht selbst beziehen kann — mehr dazu in Vermietete Wohnung kaufen.
Dieser Artikel erklärt Rechenwege und ordnet Marktzahlen ein. Er ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung und ersetzt keine individuelle Prüfung deines konkreten Objekts. Die Beispielrechnung beruht auf offengelegten Annahmen; dein Objekt kann davon deutlich abweichen. Die genannten Renditen sind aus Angebotspreisen abgeleitete Ausgangswerte, keine erzielbaren Erträge.
Über den Autor
David Jurinka ist Gründer von Wohnticker. Aus der eigenen, zermürbenden Immobiliensuche heraus hat er einen Dienst gebaut, der mehrmals täglich die Websites von über 1.100 Maklern nach neuen Objekten durchsucht. Die Marktdaten in diesem Artikel stammen aus den dabei erfassten Inseraten. Mehr über Wohnticker.
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