Warum gute Immobilien so schnell weg sind
Der Markt ist im Durchschnitt zäh — und trotzdem verpasst du ständig die interessanten Objekte. Das ist kein Widerspruch, sondern das Ergebnis.
Von David Jurinka · Veröffentlicht am 27.08.2026 · Datenstand 25.08.2026
Das Wichtigste in Kürze
- Der Markt ist im Schnitt langsam. Von neu erschienenen Kauf-Objekten sind nach 7 Tagen 7,0 % verschwunden, nach 30 Tagen 27,3 %. Die Hälfte steht nach 45 Tagen noch.
- Die günstigen sind es nicht. Objekte unter 70 % des lokalen Quadratmeterpreises verschwinden in den ersten drei Tagen viermal so oft wie Objekte über 150 % (6,4 % gegen 1,6 %).
- Deshalb siehst du fast nur Liegengebliebenes: Von den Objekten, die an einem beliebigen Tag online stehen, sind nur 1,2 % höchstens zwei Tage alt — und 77,7 % stehen seit mindestens einem Monat.
- Neue Objekte erscheinen werktags. Freitags 662 pro Tag, sonntags 84. Wer am Wochenende sucht, sieht sie mit zwei bis drei Werktagen Verzug.
- Häufiger nachschauen hilft kaum — das Angebot verteilt sich auf 1.216 Makler-Websites mit im Median 10 Objekten. In Köln erscheinen pro Website und Woche 0,32 neue Objekte.
Grundlage sind 124.172 deduplizierte Kauf-Inserate, die Wohnticker auf Makler-Websites erfasst hat. Wie gemessen wurde und was die Zahlen nicht sagen, steht im Methodik-Abschnitt.
Die kurze Antwort
Gute Immobilien sind schnell weg — der Rest ist es nicht. Von den Kauf-Objekten, die im Juli 2026 neu auf einer Makler-Website erschienen, waren nach sieben Tagen 7,0 % wieder verschwunden. Bei den Objekten, die deutlich unter dem lokalen Quadratmeterpreis lagen, waren es 10,2 % — und in den ersten drei Tagen verschwanden sie viermal so häufig wie die teuersten Objekte.
Der Grund, warum sich die Suche trotzdem zäh anfühlt und man ständig zu spät kommt, steckt in einer zweiten Zahl: Von allem, was an einem beliebigen Tag online steht, sind nur 1,2 % höchstens zwei Tage alt. Das sichtbare Angebot besteht zu drei Vierteln aus Objekten, die seit mindestens einem Monat dort stehen. Wer durch Angebote blättert, blättert überwiegend durch das, was übrig geblieben ist.
1. Der Markt ist im Durchschnitt gar nicht schnell
Die erste Zahl überrascht die meisten. Wir haben verfolgt, was mit Kauf-Objekten passiert, nachdem sie neu auf der Website eines Maklers erschienen sind — Tag für Tag, bis sie nicht mehr auffindbar waren.
| Nach … | … sind verschwunden | … stehen noch online |
|---|---|---|
| 3 Tagen | 3,2 % | 96,8 % |
| 7 Tagen | 7,0 % | 93,0 % |
| 14 Tagen | 15,0 % | 85,0 % |
| 30 Tagen | 27,3 % | 72,7 % |
| 45 Tagen | 30,3 % | 69,7 % |
Kohorte 01.–25.07.2026 (n = 11.171) für die 3- bis 30-Tage-Werte, Kohorte 29.06.–10.07.2026 (n = 4.212) für den 45-Tage-Wert. Kauf-Objekte auf Makler-Websites, dedupliziert. „Verschwunden" heißt: zwei Tage in Folge nicht mehr auf der Website des Maklers gefunden.
Die Median-Verweildauer liegt jenseits von 45 Tagen — mehr als die Hälfte aller Objekte steht länger als sechs Wochen zum Verkauf. Das ist die Marktrealität, die kaum jemand beschreibt, weil sie der Erzählung vom überhitzten Markt widerspricht.
Interessanter wird es, wenn man nur die Objekte betrachtet, die tatsächlich vom Markt gegangen sind. Deren Median-Verweildauer beträgt 21 Tage, das erste Viertel war schon nach 11 Tagen weg, das letzte Viertel stand über 33 Tage. Es gibt den schnellen Markt also — er ist nur nicht der Durchschnitt.
2. Die guten Objekte sind schnell — und das ist messbar
Um „gut" überhaupt messen zu können, brauchen wir ein Kriterium, das sich aus Daten ablesen lässt. Wir haben den ausgeschriebenen Quadratmeterpreis jedes Objekts mit dem Median-Quadratmeterpreis seiner Stadt verglichen. Ein Objekt bei 65 % des Stadt-Medians ist damit auffällig günstig, eines bei 180 % auffällig teuer.
| Preis je m² im Verhältnis zur Stadt | nach 3 Tagen weg | nach 7 Tagen | nach 14 Tagen | nach 30 Tagen |
|---|---|---|---|---|
| unter 70 % (auffällig günstig) | 6,4 % | 10,2 % | 19,1 % | 30,7 % |
| 70–90 % (unter Markt) | 4,6 % | 7,7 % | 12,9 % | 27,1 % |
| 90–110 % (Marktpreis) | 3,2 % | 7,1 % | 13,1 % | 26,7 % |
| 110–150 % (teuer) | 4,2 % | 8,4 % | 13,5 % | 24,2 % |
| über 150 % (sehr teuer) | 1,6 % | 4,9 % | 7,2 % | 11,9 % |
Kohorte 01.–25.07.2026, n = 659 / 984 / 938 / 873 / 488. Referenz ist der Median-Quadratmeterpreis der jeweiligen Stadt aus demselben Datenbestand (nur Städte mit mindestens 200 auswertbaren Inseraten).
Der Kern des Befunds: In den ersten drei Tagen verschwinden auffällig günstige Objekte viermal so häufig wie sehr teure (6,4 % gegen 1,6 %). Nach zwei Wochen ist es immer noch der Faktor 2,7. Die zweite Kohorte mit 45 Tagen Beobachtungsdauer bestätigt das unabhängig: 39,5 % gegen 21,1 %.
Was die Tabelle nicht hergibt: eine saubere Treppe von oben nach unten. Zwischen den Gruppen „70–90 %", „90–110 %" und „110–150 %" liegen die Werte dicht beieinander und wechseln die Reihenfolge — dort ist der Unterschied nicht belastbar. Belastbar ist der Abstand zwischen den Rändern, und der ist groß und in beiden Kohorten stabil.
Und ein günstiger Quadratmeterpreis ist natürlich nicht dasselbe wie ein gutes Objekt. In der Gruppe unter 70 % stecken auch Sanierungsfälle, schwierige Lagen, Erbbaurechte und Wohnungen mit laufendem Mietvertrag. Genau das macht den Befund aber eher stärker als schwächer: Selbst mit diesem groben Filter, der reichlich Ausschuss mitzählt, bleibt der Tempounterschied deutlich sichtbar. Wer, was ein niedriger Preis bedeuten kann, vorher einordnen will, findet die Preisspannen nach Städten unter Kaufpreise pro m² in Deutschland, und die Sonderfälle bei vermieteten Wohnungen.
Dasselbe Muster nach absolutem Preis
Der Effekt zeigt sich auch, wenn man statt des Quadratmeterpreises schlicht den Kaufpreis betrachtet — und er ist da noch klarer, weil das Einstiegssegment die meisten Interessenten hat.
| Kaufpreis | nach 7 Tagen weg | nach 14 Tagen | nach 30 Tagen |
|---|---|---|---|
| unter 150.000 € | 7,8 % | 15,3 % | 33,8 % |
| 150.000–300.000 € | 9,0 % | 18,1 % | 31,8 % |
| 300.000–500.000 € | 6,3 % | 15,4 % | 27,8 % |
| 500.000–1 Mio. € | 6,4 % | 13,0 % | 22,6 % |
| über 1 Mio. € | 3,9 % | 8,0 % | 15,3 % |
Kohorte 01.–25.07.2026, n = 1.167 / 3.063 / 3.229 / 2.545 / 939. Eigentumswohnungen, Häuser und Grundstücke zusammen.
Das Segment zwischen 150.000 und 300.000 € dreht sich in den ersten zwei Wochen mehr als doppelt so schnell wie das Segment über einer Million. Nach Objektart gibt es dagegen praktisch keinen Unterschied: Wohnungen und Häuser liegen nach 30 Tagen beide bei 27,3 %. Nicht die Art des Objekts entscheidet über das Tempo, sondern der Preis.
3. Warum du trotzdem fast nur Liegengebliebenes siehst
Hier kommen die beiden Befunde zusammen — und ergeben den Effekt, der die Suche so frustrierend macht. Wenn schnelle Objekte schnell verschwinden und langsame lange stehen bleiben, dann besteht alles, was zu einem beliebigen Zeitpunkt sichtbar ist, überwiegend aus den langsamen. Das lässt sich direkt messen: Wir haben für jedes Objekt, das an einem Stichtag online bestätigt wurde, geschaut, wie lange es zu diesem Zeitpunkt schon stand.
| Wie lange steht das Objekt schon online? | Anteil am sichtbaren Angebot |
|---|---|
| höchstens 2 Tage | 1,2 % |
| 3–6 Tage | 3,2 % |
| 7–13 Tage | 4,2 % |
| 14–29 Tage | 13,7 % |
| 30–89 Tage | 51,1 % |
| 90 Tage und länger | 26,6 % |
Alle am 25.08.2026 auf Makler-Websites bestätigten Kauf-Objekte, n = 63.207. Median-Alter des sichtbaren Angebots: 60 Tage.
Übersetzt: Von 100 Objekten, die du beim Durchsehen vor dir hast, sind knapp 78 mindestens einen Monat alt und gut 26 stehen seit über einem Vierteljahr zum Verkauf. Frisch — also höchstens zwei Tage online — ist gut eines.
Das ist keine Marktschwäche, sondern schlichte Statistik: Was schnell weggeht, ist in einer Momentaufnahme zwangsläufig unterrepräsentiert. Der Effekt hat aber eine unbequeme Konsequenz. Wer seine Suche als Blättern organisiert — Filter setzen, Liste durchgehen, Favoriten sammeln — verbringt den größten Teil der Zeit mit Objekten, die aus einem Grund noch da sind. Zu teuer, schwierige Lage, Sanierungsstau, ungeklärte Unterlagen. Und in nicht wenigen Fällen längst verkauft, denn viele Makler nehmen ein Inserat erst Wochen nach dem Notartermin herunter.
Die 4 %, auf die es ankommt — die Objekte, die höchstens sechs Tage online sind — sieht man beim Blättern nur zufällig. Sie zuverlässig zu sehen, ist eine andere Aufgabe als die Suche selbst.
4. Was in den ersten Tagen eines Inserats passiert
Warum ein gut bepreistes Objekt binnen Tagen vergriffen ist, hat wenig mit Glück und viel mit dem Arbeitsablauf eines Maklerbüros zu tun. Ein neues Verkaufsmandat durchläuft fast immer dieselbe Reihenfolge:
- Zuerst die eigene Kartei. Wer beim Makler als vorgemerkter, ernsthafter Käufer geführt wird, erfährt zuerst davon — bei Anlageobjekten oft per Telefon. Warum dieser Kanal für normale Käufer trotzdem unzuverlässig geworden ist, steht in Makler-Vormerkliste: Warum der Rückruf ausbleibt.
- Dann die eigene Website. Das Objekt online zu stellen kostet den Makler nichts und ist der Beleg gegenüber dem Eigentümer, dass die Vermarktung läuft. Deshalb steht dort praktisch jedes Objekt — meist bevor es irgendwo anders auftaucht. Die Logik dahinter erklärt Wo veröffentlichen Makler ihre Immobilien zuerst?
- Erst danach das kostenpflichtige Portal-Inserat — und oft nur, wenn sich nicht schnell genug ein Käufer findet. Bei einem Objekt, für das schon nach zwei Tagen fünf finanzierungsfähige Interessenten anfragen, wird es nie geschaltet.
- Besichtigungen werden gebündelt. Statt zwanzig Einzeltermine setzt der Makler einen oder zwei Sammeltermine an. Wer sich meldet, nachdem diese Termine gelaufen sind, bewirbt sich auf ein Objekt, für das bereits mündliche Zusagen vorliegen.
- Ausgewählt wird nach Abschlusswahrscheinlichkeit. Ein Makler haftet gegenüber dem Verkäufer für den Vermarktungserfolg und verdient erst beim Notartermin. Zwischen zwei Interessenten mit gleichem Gebot gewinnt der mit der Finanzierungsbestätigung — nicht aus Sympathie, sondern weil bei ihm das Risiko einer geplatzten Beurkundung kleiner ist.
Die Konsequenz ist unangenehm präzise: Bei einem attraktiven Objekt entscheidet sich der Ausgang häufig, bevor es überhaupt auf einem Portal erscheint — und fast immer, bevor ein Finanzierungsgespräch geführt werden könnte. Deshalb liegt der Hebel nicht darin, schneller zu entscheiden, sondern früher zu erfahren und vorbereitet zu sein.
5. Der Wochenrhythmus: Immobilien erscheinen werktags
Der Immobilienmarkt hat Bürozeiten, und das ist deutlicher, als man erwarten würde.
| Wochentag | neue Kauf-Objekte (Median je Tag) | Anteil aller Abgänge |
|---|---|---|
| Montag | 548 | 17,4 % |
| Dienstag | 517 | 16,6 % |
| Mittwoch | 531 | 17,5 % |
| Donnerstag | 512 | 23,6 % |
| Freitag | 662 | 18,0 % |
| Samstag | 176 | 3,7 % |
| Sonntag | 84 | 3,1 % |
Zeitraum 29.06.–24.08.2026, ohne die ersten 14 Tage neu aufgenommener Quellen. „Abgänge" = Wochentag der letzten Bestätigung vor dem Verschwinden.
Freitags erscheinen fast acht Mal so viele neue Objekte wie sonntags. Und 93,1 % aller Abgänge fallen auf Werktage — Reservierungen, Zusagen und Rücknahmen entstehen im Büroalltag, nicht am Wochenende.
Für die Praxis heißt das zweierlei. Erstens: Die klassische Wochenend-Suche ist strukturell zu spät dran. Ein Objekt, das freitagvormittags online geht, ist am Sonntagabend bereits zwei Werktage alt — und bei den auffällig günstigen sind in diesem Zeitfenster im Schnitt schon 6,4 % wieder verschwunden. Zweitens, und tröstlicher: Am Wochenende passiert praktisch nichts. Wer sonntags eine Anfrage schreibt, verliert dadurch nichts gegenüber jemandem, der montags früh schreibt — entscheidend ist, dass die Anfrage montags oben liegt und nicht erst dann verfasst wird.
6. Warum „einfach öfter nachschauen" nicht funktioniert
Die naheliegende Reaktion auf all das ist, die Suchfrequenz zu erhöhen. Das Problem daran ist nicht die Frequenz, sondern die Streuung. Der Kauf-Markt läuft fast vollständig über Makler, und Makler sind kleinteilig organisiert: Das Angebot verteilt sich auf 1.216 einzelne Makler-Websites mit im Median 10 Kauf-Objekten; 52 % dieser Websites führen höchstens zehn.
| Stadt | Kauf-Objekte | Websites mit Objekten dort | neue Objekte pro Woche | neu je Website und Woche |
|---|---|---|---|---|
| Berlin | 5.700 | 228 | 239 | 1,05 |
| Köln | 1.565 | 254 | 81 | 0,32 |
| Düsseldorf | 1.315 | 178 | 71 | 0,40 |
| Bonn | 691 | 105 | 40 | 0,38 |
| Essen | 553 | 86 | 31 | 0,36 |
| Duisburg | 550 | 85 | 33 | 0,39 |
| Dortmund | 334 | 59 | 14 | 0,24 |
Bestand: in den letzten 48 Stunden bestätigte Kauf-Objekte, Stand 25.08.2026. Neue Objekte: Durchschnitt 29.06.–24.08.2026. Ausgewiesen sind nur Städte, in denen wir breit genug erfassen, um Aussagen über die Fläche zu machen — „Websites mit Objekten dort" meint Makler mit Objekten in der Stadt, nicht Makler mit Bürositz dort.
In Köln stehen Kauf-Objekte auf 254 verschiedenen Makler-Websites, auf denen zusammen rund 81 neue Objekte pro Woche erscheinen. Rechnerisch sind das 0,32 neue Objekte je Website und Woche — auf einer beliebigen Kölner Makler-Seite tut sich also im Schnitt alle drei Wochen etwas. Eine einzelne Seite häufiger aufzurufen, bringt deshalb fast nichts. Alle 254 täglich zu prüfen, bringt viel — ist aber von Hand nicht zu leisten.
Genau in dieser Lücke sitzt das Problem: Der Weg, der die frischen Objekte enthält, ist der unbequemste. Welche Wege es sonst noch gibt und was sie realistisch bringen, ordnet Off-Market-Immobilien finden ein; die Portal-Alternativen im Einzelnen stehen unter Immobilien kaufen ohne Portal.
Wofür es Wohnticker gibt: Wir durchsuchen mehrmals täglich die Websites von über 1.300 Maklern — auf 1.216 davon standen zuletzt Kauf-Objekte — und schicken dir neue Objekte, die zu deinem Suchprofil passen, per E-Mail, statt dass du 254 Seiten selbst im Blick behalten musst. Suchprofil einrichten oder erst nachlesen, wie so ein Suchagent für den Kauf aufgesetzt wird.
7. Sieben Hebel, mit denen du tatsächlich schneller wirst
Sortiert nach Wirkung — der erste Punkt entscheidet in der Praxis am häufigsten darüber, wer zur Besichtigung eingeladen wird.
- 1. Finanzierungsbestätigung, bevor du die erste Anfrage schickst. Nicht der Zinsvergleich, sondern das Schreiben der Bank über die machbare Kaufsumme. Es kostet nichts, braucht wenige Tage und verändert die Reihenfolge, in der ein Makler zurückruft. Ohne dieses Papier bist du für ihn ein Risiko, mit ihm ein Kandidat. Der komplette Ablauf davor und danach steht im Überblick Immobilie kaufen: Ablauf in 10 Schritten.
- 2. Suchprofil eng fassen. „Alles bis 500.000 € im Umkreis von 50 km“ ist kein Suchprofil, sondern eine Kapitulation. Makler rufen dort an, wo der Abschluss wahrscheinlich ist — und das ist bei jemandem, der genau sagen kann, was er sucht und warum. Eng gefasst heißt außerdem: Du kannst innerhalb einer Stunde entscheiden, ob ein Objekt passt.
- 3. Werktags erreichbar sein. Neue Objekte erscheinen zwischen Montag und Freitag, Rückrufe kommen zu Bürozeiten. Wer erst abends ans Telefon geht, verliert bei den schnellen Objekten regelmäßig einen halben Tag — bei 6,4 % Abgang in drei Tagen ist das relevant.
- 4. Die erste Nachricht vorbereiten. Drei Sätze, die immer passen: wer du bist, dass die Finanzierung steht (mit Summe), und zwei konkrete Terminvorschläge für die Besichtigung. Keine Fragen zum Objekt in der ersten Mail — die klärt der Termin. Wer eine Vorlage in der Zwischenablage hat, antwortet in zwei Minuten statt in zwei Stunden.
- 5. Jeden Besichtigungstermin annehmen. Auch den ungünstig gelegenen. Der Sammeltermin ist bei begehrten Objekten der einzige, und wer ihn verschiebt, verhandelt bereits gegen mündliche Zusagen.
- 6. Das Unterlagenpaket fertig haben. Selbstauskunft, Eigenkapitalnachweis, Einkommensnachweise, Finanzierungsbestätigung — als PDF-Ordner, versandfertig. Nach der Besichtigung zählt, wer als Erster vollständig liefert.
- 7. Neue Objekte melden lassen, statt sie zu suchen. Das ist der einzige Hebel, der die Startzeit verändert statt der Reaktionszeit. Und er wirkt am stärksten dort, wo die Zahlen am deutlichsten sind: bei den günstig bepreisten Objekten, von denen mehr als jedes fünfzehnte schon nach drei Tagen weg ist.
Für Anleger kommt ein achter Punkt dazu: Anlageobjekte laufen häufiger über direkte Ansprache als über Inserate — wie man dort systematisch hineinkommt, steht in Renditeobjekte finden.
Methodik — und was die Zahlen nicht sagen
Datenbasis. Ausgewertet wurden 124.172 deduplizierte Kauf-Inserate, die Wohnticker auf den Websites von Maklern erfasst hat. Der Bestand am Stichtag 25.08.2026 umfasst 64.109 Objekte auf 1.216 Makler-Websites, in den letzten 48 Stunden bestätigt. Aggregator-Portale sind ausgeschlossen — ausgewertet werden ausschließlich Inserate von Makler-Websites.
Wie „verschwunden" gemessen wird. Ein nächtlicher Durchlauf prüft jede erfasste Website vollständig und bestätigt, was noch online steht. Ein Objekt gilt erst dann als verschwunden, wenn es zwei Tage in Folge nicht mehr gefunden wird — so schlagen einzelne Fehlläufe nicht durch. Dedupliziert wird über Makler, Titel, Preis und Wohnfläche; ein Objekt, das unter neuer Adresse noch einmal angelegt wird, zählt dadurch nicht als neues Objekt.
Kohorten statt Momentaufnahme. Ausgewertet wurden nur Objekte, die lange genug beobachtet werden konnten: 01.–25.07.2026 für die 30-Tage-Werte, 29.06.–10.07.2026 für die 45-Tage-Werte. Die ersten 14 Tage jeder neu aufgenommenen Quelle bleiben außen vor, weil dort der Altbestand einer Website fälschlich als „neu" erscheinen würde.
Verschwunden ist nicht dasselbe wie verkauft. Gemessen wird ausschließlich, dass ein Objekt nicht mehr auf der Website des Maklers steht. Das passiert auch bei Reservierung, Rücknahme durch den Eigentümer oder Mandatsende. Umgekehrt lassen viele Makler Verkauftes noch wochenlang online. Beide Effekte ziehen in dieselbe Richtung: Die hier gezeigten Tempo-Zahlen sind eher eine Untergrenze. Der reale Markt dürfte schneller sein als gemessen.
Was wir nicht messen. Wir messen nicht, ob und wann ein Objekt zusätzlich auf einem Immobilienportal erscheint — jede Aussage über eine zeitliche Überschneidung wäre geraten, deshalb machen wir keine. Ebenfalls nicht gemessen: Verkaufspreise. Alle Zahlen beziehen sich auf Angebotsdaten. Und weil unsere tägliche Vollprüfung erst seit Ende Juni 2026 in dieser Form läuft, gibt es hier noch keine Trendaussage — nur eine Bestandsaufnahme des Sommers 2026. Die Zeitreihe beginnt jetzt.
Nachrechenbar. Die Auswertung folgt einem festen Skript mit dokumentierten Filtern; die hier genannten Fallzahlen (n) stehen an jeder Tabelle, damit erkennbar ist, wie belastbar eine einzelne Zeile ist. Zeilen mit weniger als 120 Objekten weisen wir nicht aus.
FAQ: Markttempo beim Immobilienkauf
Wie schnell sind Immobilien wirklich vom Markt?
Langsamer, als das Gefühl beim Suchen nahelegt. Von den Kauf-Objekten, die im Juli 2026 neu auf einer Makler-Website erschienen, waren nach 3 Tagen 3,2 % verschwunden, nach 7 Tagen 7,0 %, nach 14 Tagen 15,0 % und nach 30 Tagen 27,3 %. Die Hälfte aller Objekte stand nach 45 Tagen immer noch online. Entscheidend ist aber nicht der Durchschnitt: Objekte, die deutlich unter dem lokalen Quadratmeterpreis liegen, verschwinden in den ersten drei Tagen viermal so häufig wie die teuersten.
Warum sind gerade die günstigen Immobilien so schnell weg?
Weil sie von deutlich mehr Interessenten gleichzeitig gesucht werden und weil ein Makler bei einem klar unter Markt bepreisten Objekt sofort mehrere finanzierungsfähige Kaufinteressenten hat. Messbar: Objekte unter 70 % des lokalen Median-Quadratmeterpreises waren nach 3 Tagen zu 6,4 % verschwunden, nach 14 Tagen zu 19,1 %. Objekte über 150 % des lokalen Medians kamen im selben Zeitraum auf 1,6 beziehungsweise 7,2 %. Nach absolutem Preis gilt dasselbe Muster: Das Einstiegssegment unter 300.000 € dreht rund doppelt so schnell wie das Segment über einer Million.
Wie lange steht eine Immobilie im Durchschnitt zum Verkauf?
Länger als sechs Wochen. In einer Kohorte mit 45 Tagen Beobachtungsdauer waren nach Ablauf der 45 Tage erst 30,3 % der Objekte verschwunden — die Median-Verweildauer liegt also jenseits von 45 Tagen. Betrachtet man nur die Objekte, die tatsächlich vom Markt gingen, lag deren Median-Verweildauer bei 21 Tagen, ein Viertel war bereits nach 11 Tagen weg.
Warum finde ich beim Suchen nur Objekte, die schon ewig online stehen?
Weil genau das die Struktur des sichtbaren Angebots ist. Von allen Kauf-Objekten, die an einem beliebigen Tag auf einer Makler-Website bestätigt wurden, waren nur 1,2 % höchstens zwei Tage alt und 4,4 % höchstens sechs Tage. 77,7 % standen mindestens 30 Tage online, 26,6 % sogar 90 Tage oder länger; das Median-Alter des sichtbaren Angebots liegt bei 60 Tagen. Was schnell weggeht, ist im Bestand per Definition unterrepräsentiert — wer blättert, sieht überwiegend das, was liegen geblieben ist.
An welchem Wochentag kommen neue Immobilien auf den Markt?
Werktags. Im Median erscheinen montags bis donnerstags 512 bis 548 neue Kauf-Objekte pro Tag, freitags 662. Am Samstag sind es 176, am Sonntag 84 — ein Achtel eines Freitags. Auch die Abgänge folgen dem Bürokalender: 93,1 % aller Objekte werden zuletzt an einem Werktag bestätigt, bevor sie verschwinden. Wer die Suche auf das Wochenende legt, sieht neue Objekte typischerweise erst zwei bis drei Werktage nach ihrem Erscheinen.
Wie komme ich früher an neue Immobilien als andere Käufer?
Drei Dinge wirken nachweislich: erstens eine schriftliche Finanzierungsbestätigung, bevor du die erste Anfrage schickst — sie entscheidet häufig darüber, wer zur Besichtigung eingeladen wird. Zweitens ein eng gefasstes Suchprofil, weil Makler dort anrufen, wo der Abschluss wahrscheinlich ist. Drittens die Quelle: Makler stellen ein neues Objekt zuerst auf die eigene Website und schalten das kostenpflichtige Portal-Inserat oft erst später oder gar nicht. Wer nur Portale beobachtet, startet strukturell später.
Bringt es etwas, mehrmals täglich auf dem Portal nachzuschauen?
Wenig, weil das Problem nicht die Frequenz ist, sondern die Streuung. Die Kauf-Objekte verteilen sich auf 1.216 einzelne Makler-Websites mit im Median 10 Objekten; 52 % dieser Websites führen höchstens 10 Objekte. In Köln zum Beispiel stehen Objekte auf 254 verschiedenen Makler-Websites, auf denen zusammen rund 81 neue Objekte pro Woche erscheinen — also im Schnitt 0,32 pro Website und Woche. Eine einzelne Seite häufiger aufzurufen, erhöht die Trefferchance kaum; alle Seiten von Hand zu prüfen, ist nicht leistbar.
Heißt „verschwunden" automatisch „verkauft"?
Nein. Gemessen wird, dass ein Objekt nicht mehr auf der Website des Maklers steht. Das passiert auch bei Reservierung, bei Rücknahme durch den Eigentümer oder am Ende eines Maklermandats. Umgekehrt lassen viele Makler bereits verkaufte Objekte noch wochenlang online. Die Zahlen sind deshalb eine Untergrenze dafür, wie schnell Objekte tatsächlich vergriffen sind — der reale Markt ist eher schneller als gemessen, nicht langsamer.
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Alle Zahlen stammen aus den von Wohnticker auf Makler-Websites erfassten Kauf-Inseraten, Stand 25.08.2026. Es handelt sich um Angebots-, nicht um Abschlussdaten; sie beschreiben, was auf Makler-Websites veröffentlicht wird, und nicht den gesamten deutschen Immobilienmarkt. Dieser Artikel ist eine Marktbeobachtung und keine Anlage-, Finanz- oder Rechtsberatung. Die Aussagen zum Ablauf einer Vermarktung sind Erfahrungswerte und können im Einzelfall abweichen.
Über den Autor
David Jurinka ist Gründer von Wohnticker. Aus der eigenen, zermürbenden Immobiliensuche heraus hat er einen Dienst gebaut, der mehrmals täglich die Websites von über 1.300 Maklern nach neuen Objekten durchsucht — und dadurch täglich mitmisst, wie lange Objekte tatsächlich online bleiben. Mehr über Wohnticker.
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