Jetzt Immobilie kaufen oder warten?
Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt ist die falsche Frage — und das lässt sich mit Zahlen zeigen, statt es zu behaupten.
Von David Jurinka · Veröffentlicht am 27.08.2026 · Aktualisiert am 29.09.2026 · Eigener Datenstand 28.09.2026 · Marktdaten Stand 29.09.2026
Das Wichtigste in Kürze
- Die Zinsen sind gestiegen, die Preise kaum. Bauzinsen für zehn Jahre liegen bei 4,15 bis 4,52 % effektiv, rund einen Prozentpunkt über dem Jahresbeginn. Die Preise legen nur noch langsam zu (vdp +1,9 %, Destatis +0,6 % gegenüber Vorjahresquartal). Ein Grund zu warten, bis die Zinsen wieder fallen, ist das nicht. Ein Grund, bei der Objektauswahl genauer hinzusehen, schon.
- Die Spanne im Markt schlägt die Bewegung des Markts. Selbst bei gleicher Stadt, gleichem Stadtteil und gleicher Wohnungsgröße liegen zwischen dem günstigen und dem teuren Viertel des Angebots in Köln 31 %. Beim aktuellen Indextempo bräuchte der Markt dafür knapp 15 Jahre.
- Ein Zinspunkt ist weniger, als es sich anfühlt. Bei gleicher Rate verändert er das finanzierbare Darlehen um 41.000–57.000 €. Genau dieser Punkt ist 2026 passiert. Die Preisspanne im Angebot bewegt auf ein 300.000-€-Objekt rund 93.000 €, und die ist heute verfügbar.
- Warten ist keine Pause. Auf den erfassten Makler-Websites erscheinen im Median 3.476 neue Kauf-Objekte pro Woche. Das sind rund 90.000 in einem halben Jahr, die an dir vorbeiziehen.
- Der Markt wartet schon auf dich. In dem Teil des Angebots, den wir seit mindestens einem halben Jahr beobachten, steht mehr als jedes zweite Objekt seit über 90 Tagen online. Diese Objekte sind im Median 7 % teurer als der Stadtschnitt. Verhandeln ist der näherliegende Hebel als Warten.
Die Marktzahlen sind extern belegt und verlinkt. Die Auswertungen zur Preisspanne, zum Angebotszufluss und zu den Standzeiten stammen aus 146.221 deduplizierten Kauf-Inseraten, die Wohnticker auf Makler-Websites erfasst hat. Was die Zahlen nicht sagen, steht im Methodik-Abschnitt.
Die kurze Antwort
Wer kaufen will, finanzieren kann und mindestens zehn Jahre bleiben möchte, sollte nicht auf den Markt warten — sondern auf das richtige Objekt. Der Grund ist arithmetisch: Der Gesamtmarkt bewegt sich derzeit um etwa 2 % im Jahr. Zwischen dem günstigen und dem teuren Viertel des Angebots liegen dagegen 31 %, und zwar bei gleicher Stadt, gleichem Stadtteil und gleicher Wohnungsgröße. Die Objektauswahl bewegt also mehr als ein Jahrzehnt Marktentwicklung, und sie ist heute verfügbar statt irgendwann.
Daran ändert auch der Zinsanstieg 2026 nichts. Er macht die Auswahl eher wichtiger: Jeder Euro Kaufpreis wird jetzt teurer finanziert, ein zu teuer eingekauftes Objekt kostet also mehr als noch zu Jahresbeginn.
Das heißt nicht, dass Warten nie richtig ist. Es heißt, dass die Gründe fürs Warten fast immer in der eigenen Lage liegen — zu wenig Eigenkapital, unsicherer Job, unklare Lebensplanung — und fast nie im Markt. Welche das sind, steht weiter unten.
1. Was der Markt gerade tatsächlich macht
Beginnen wir mit den Zahlen, die nicht von uns stammen. Für die Timing-Frage sind zwei Größen entscheidend: die Preisentwicklung und die Finanzierungskosten.
| Kennzahl | Stand | Wert |
|---|---|---|
| vdp-Immobilienpreisindex Wohnimmobilien | Q2 2026 ggü. Vorjahr | +1,9 % |
| … davon Eigentumswohnungen | Q2 2026 ggü. Vorjahr | +2,6 % |
| … davon Eigenheime | Q2 2026 ggü. Vorjahr | +2,0 % |
| vdp-Index gegenüber Vorquartal | Q1 → Q2 2026 | +0,3 % |
| Destatis-Häuserpreisindex | Q2 2026 ggü. Vorjahr | +0,6 % |
| Destatis-Häuserpreisindex gegenüber Vorquartal | Q1 → Q2 2026 | +0,3 % |
| GREIX Eigentumswohnungen, inflationsbereinigt | Q2 2026 ggü. Vorjahr | −2,1 % |
Quellen: vdp-Immobilienpreisindex Q2 2026 (veröffentlicht 10.08.2026, Basisjahr 2022), Statistisches Bundesamt, Häuserpreisindex Q2 2026 (veröffentlicht 24.09.2026; Q1 von +1,4 % auf +1,2 % revidiert), GREIX-Kaufpreisindex Q2 2026 (Kiel Institut und Gutachterausschüsse, veröffentlicht 06.08.2026).
Zusammengefasst: Die Preise steigen nur noch langsam. Inflationsbereinigt sind Eigentumswohnungen im Jahresvergleich sogar etwas günstiger geworden. Die Korrektur, auf die viele noch warten, hat 2022 bis 2024 stattgefunden. Sie ist vorbei, nicht angekündigt. Die Zinsen dagegen sind 2026 deutlich gestiegen, um rund einen Prozentpunkt seit Jahresbeginn. Getrieben wird das von der Rendite der Bundesanleihen, die wegen des Ölpreisschocks und der höheren Inflation auf den höchsten Stand seit 2009 geklettert ist. Wie es weitergeht, ist offen: Im Bankenpanel von Interhyp (10.09.2026) erwarten für das Jahresende je rund ein Drittel steigende, gleichbleibende und fallende Bauzinsen.
Der Durchschnitt verdeckt, worum es geht
Interessanter als der Bundeswert ist, wie ungleich er zustande kommt. Das Statistische Bundesamt hat den Häuserpreisindex für Q2 2026 nach Regionstyp aufgeschlüsselt: Eigentumswohnungen verteuerten sich in kreisfreien Großstädten außerhalb der Top 7 um 2,0 %. In den sieben größten Städten wurden sie um 0,4 % billiger, in dicht besiedelten ländlichen Kreisen um 1,8 %. Der vdp-Index zeigt auch innerhalb der Metropolen große Unterschiede: Hamburg +3,8 %, Köln +2,5 %, Frankfurt und Düsseldorf je +2,4 %, München +2,3 %, Berlin +1,6 %, Stuttgart +0,7 %.
Wer also fragt, ob „der Markt“ noch fällt oder schon steigt, fragt nach einer Größe, die es so nicht gibt.
Was steigende Zinsen mit den Preisen machen
Die naheliegende Erwartung lautet: Die Zinsen steigen, also fallen bald die Preise. Die letzte Zinswende zeigt, dass es so einfach nicht läuft. Nach dem Zinsanstieg ab 2022 ging bei Eigentumswohnungen zuerst die Zahl der Verkäufe um gut 30 % zurück, die Preise dagegen nur um rund 15 %. Bei hochwertigen Wohnungen halbierten sich die Verkäufe fast, die Preise gaben nur um rund 9 % nach. Viele Eigentümer verkauften lieber gar nicht als billiger. Im unteren Qualitätssegment war es umgekehrt, dort gaben die Preise stärker nach.
Für die Warte-Frage heißt das: Wer auf einen Preisrutsch hofft, bekommt oft zuerst weniger Angebot und nicht billigeres. Ein Frühsignal gibt es trotzdem. Verkäufer passen ihre Angebotspreise seit Sommer 2025 wieder häufiger an. In der Vergangenheit lief genau diese Kennzahl der Preisentwicklung voraus. Den Verhandlungsspielraum, der daraus entsteht, gibt es aber objektbezogen, nicht marktweit. Mehr dazu in Abschnitt 5.
Quellen: GREIX Insight Nr. 1, „Lässt sich am Preis noch etwas machen?“ (Kiel Institut, August 2026) und GREIX-Kaufpreisindex Q2 2026 (Liquiditätskennzahlen).
2. Die Zahl, die die Frage kippt
Wir haben ausgewertet, wie weit die Angebotspreise innerhalb eines Marktes auseinanderliegen. Grundlage sind die 70.196 Kauf-Objekte, die zum Stichtag auf einer der 1.389 erfassten Makler-Websites bestätigt waren. „Spanne“ bedeutet hier: der Quadratmeterpreis des teuren Viertels im Verhältnis zum günstigen Viertel — also 75. Perzentil geteilt durch 25. Perzentil.
| Eigentumswohnungen | günstiges Viertel | Median | teures Viertel | Spanne |
|---|---|---|---|---|
| Berlin (n = 4.817) | 4.796 €/m² | 6.143 €/m² | 8.515 €/m² | +78 % |
| Köln (n = 975) | 3.697 €/m² | 5.020 €/m² | 6.478 €/m² | +75 % |
| Düsseldorf (n = 813) | 4.292 €/m² | 5.165 €/m² | 6.600 €/m² | +54 % |
| Bonn (n = 358) | 3.382 €/m² | 4.538 €/m² | 6.939 €/m² | +105 % |
| Essen (n = 305) | 2.011 €/m² | 2.621 €/m² | 3.498 €/m² | +74 % |
Bestätigter Bestand am 28.09.2026, Eigentumswohnungen, dedupliziert, Aggregator-Portale ausgeschlossen. Ausgewiesen werden nur Städte, deren Quellenbasis breit genug ist (mindestens 50 Makler-Websites, keine Dominanz einzelner Anbieter) und die mindestens 250 auswertbare Inserate haben.
Der naheliegende Einwand: Das ist doch nur der Größenmix — kleine Wohnungen kosten pro Quadratmeter mehr als große. Stimmt als Effekt, erklärt hier aber fast nichts. Betrachtet man nur Wohnungen zwischen 60 und 90 m², bleibt die Spanne in Köln bei +73 %, in Berlin bei +75 %, in Düsseldorf sinkt sie auf +36 %.
Der zweite Einwand ist der stärkere: Innerhalb einer Stadt gibt es teure und günstige Viertel, das ist keine Kaufgelegenheit, sondern Geografie. Also haben wir zusätzlich den Stadtteil konstant gehalten — gleiche Stadt, gleicher Stadtteil, gleiche Größenklasse.
| Köln, 60–90 m², je Stadtteil | günstiges Viertel | teures Viertel | Spanne |
|---|---|---|---|
| Innenstadt (n = 63) | 5.500 €/m² | 7.222 €/m² | +31 % |
| Lindenthal (n = 58) | 4.292 €/m² | 6.155 €/m² | +43 % |
| Porz (n = 52) | 3.098 €/m² | 3.983 €/m² | +29 % |
| Nippes (n = 46) | 3.876 €/m² | 5.375 €/m² | +39 % |
| Kalk (n = 43) | 3.349 €/m² | 4.000 €/m² | +19 % |
| Median über die fünf Stadtteile | — | — | +31 % |
Ausgewiesen sind Kölner Stadtteile mit mindestens 40 auswertbaren Inseraten in dieser Größenklasse. In Berlin liegt derselbe Wert über acht Bezirke bei +63 %, allerdings mit Vorbehalt: Neubau-Vermarkter listen dort jede Projekteinheit einzeln und ziehen einzelne Bezirke nach oben. Köln ist von diesem Effekt nachweislich nicht betroffen und deshalb hier das ehrlichere Beispiel.
Der Kern des Befunds: Bei maximaler Vergleichbarkeit — gleiche Stadt, gleicher Stadtteil, gleiche Größenklasse — liegen zwischen dem günstigen und dem teuren Viertel des Angebots 31 %. Beim aktuellen Tempo des vdp-Index von +1,9 % im Jahr bräuchte der Gesamtmarkt knapp 15 Jahre, um denselben Unterschied zu erzeugen. Auf die ganze Stadt gerechnet (Köln +75 %) wären es fast 30 Jahre.
Was diese Spanne nicht ist: eine Liste von Schnäppchen. In ihr stecken echte Qualitätsunterschiede — Baujahr, Zustand, Etage, Energiestandard, Balkon, Erbbaurecht, laufende Mietverträge, anstehende Sanierungen. Ein Objekt im günstigen Viertel ist nicht automatisch das bessere Geschäft, und eines im teuren Viertel nicht automatisch überteuert.
Was sie aber sehr wohl ist: der Raum, in dem deine Entscheidung stattfindet. Und dieser Raum ist um mehr als eine Größenordnung weiter als alles, was der Markt in absehbarer Zeit tut. Wer wartet, wettet auf die kleine Bewegung und verzichtet währenddessen auf die große. Wie du einordnest, was „günstig“ in deiner Stadt überhaupt heißt, steht in den Kaufpreisen pro m² für 23 Städte.
3. Zins gegen Preisspanne: was mehr Geld bewegt
Das häufigste Argument fürs Warten lautet: Wenn die Zinsen wieder fallen, wird alles billiger. 2026 hat dieses Argument neues Gewicht bekommen, denn die Zinsen sind gestiegen, und viele hoffen auf die Rückkehr zum alten Niveau. Rechnen wir das durch. Annahme: 300.000 € Darlehen, 2 % Anfangstilgung, zehn Jahre Zinsbindung.
| Zins | Monatsrate | Zinskosten in 10 Jahren | Darlehen bei gleicher Rate von 1.575 € |
|---|---|---|---|
| 3,3 % (ein Punkt weniger, Niveau zu Jahresbeginn) | 1.325 € | 88.029 € | 356.604 € |
| 4,3 % (heute) | 1.575 € | 114.199 € | 300.000 € |
| 5,3 % (ein Punkt mehr) | 1.825 € | 140.100 € | 258.904 € |
Eigene Berechnung, Annuitätendarlehen mit 2 % Anfangstilgung, monatlich gerechnet, ohne Sondertilgung; der Effektivzins dient vereinfacht als Rechenzins. Zinskosten kumuliert über zehn Jahre. Die letzte Spalte zeigt, welches Darlehen bei unveränderter Monatsrate tragbar wäre. Keine Finanzierungsberatung.
Ein Zinspunkt ist also durchaus viel Geld: rund 41.000 € weniger oder 57.000 € mehr Darlehen bei gleicher Rate. Und genau dieser Punkt ist 2026 passiert. Wer im Februar mit 3,3 % gerechnet hat, bekommt für dieselbe Monatsrate heute knapp 16 % weniger Darlehen. Die Warte-Frage ist deshalb berechtigt und nicht albern. Was der Zinsanstieg je nach Einkommen und Stadt an Auswahl kostet, rechnet „Wie viel Immobilie kann ich mir leisten?“ durch.
Nur: Die Preisspanne im Angebot bewegt dieselbe Größenordnung, oft mehr. 31 % Unterschied auf ein Objekt von 300.000 € sind 93.000 €. Das ist mehr als der Effekt eines ganzen Zinspunktes. Es ist heute verfügbar statt in einem ungewissen Später, und es hängt an einer Entscheidung, die du selbst triffst, statt an der Rendite von Bundesanleihen.
Dazu kommt ein Zusammenhang, den die Warte-Logik unterschlägt: Fallende Zinsen erhöhen die Nachfrage. Ein Umfeld, in dem Finanzierung billiger wird, ist typischerweise genau das Umfeld, in dem Preise anziehen und die Konkurrenz um gute Objekte wächst. Der erhoffte Vorteil frisst sich häufig selbst auf. Umgekehrt dämpfen steigende Zinsen die Nachfrage. Das ist genau die Phase, in der Verkäufer, deren Objekt schon länger steht, eher mit sich reden lassen.
4. Was Warten wirklich kostet: die Objekte
Die Kosten des Wartens werden fast immer als Miete gerechnet. Der größere Posten steht woanders. Wir haben gezählt, wie viele Kauf-Objekte neu auf den erfassten Makler-Websites erscheinen — über ein Fenster von vier vollständigen Kalenderwochen, in dem alle Quellen stabil angebunden waren.
| Markt | neue Kauf-Objekte je Woche | in sechs Monaten | aktuell im Bestand |
|---|---|---|---|
| bundesweit | 3.476 | rund 90.000 | 70.196 |
| Berlin | 332 | 8.619 | 6.345 |
| Köln | 82 | 2.145 | 1.744 |
| Düsseldorf | 74 | 1.924 | 1.267 |
| Bonn | 48 | 1.235 | 802 |
| Essen | 34 | 884 | 553 |
| Dortmund | 14 | 351 | 329 |
| Duisburg | 13 | 338 | 597 |
Median der Kalenderwochen 36 bis 39 (2026), dedupliziert, Aggregator-Portale und die ersten 14 Tage jeder neu aufgenommenen Quelle ausgeschlossen. Die Sechsmonats-Hochrechnung unterstellt konstantes Tempo und ist eine Größenordnung, keine Prognose. Die Werte liegen über denen der ersten Fassung dieses Beitrags (August), weil seitdem weitere Makler-Websites hinzugekommen sind. Das ist eine breitere Erfassung, kein schnellerer Markt.
In sechs Monaten Wartezeit erscheinen bundesweit rund 90.000 neue Kauf-Objekte, in einem Jahr rund 181.000. In Köln sind es in einem halben Jahr etwa 2.100, mehr als dort überhaupt gleichzeitig im Bestand stehen. Der komplette sichtbare Markt wird also in sechs Monaten mehr als einmal ausgetauscht.
Darunter ist mit Sicherheit das Objekt, das für dich das günstige Viertel getroffen hätte. Ob du es siehst, ist eine andere Frage — und hier liegt das eigentliche praktische Problem. Diese Objekte erscheinen nicht an einem Ort, sondern verteilt auf 1.389 einzelne Makler-Websites, auf denen im Median rund zehn Objekte stehen. In Köln verteilt sich das Angebot auf über 250 Websites. Wer diese Streuung von Hand abdecken will, scheitert nicht an der Motivation, sondern an der Arithmetik. Warum Makler zuerst auf der eigenen Seite veröffentlichen, steht in Wo veröffentlichen Makler ihre Immobilien zuerst?
5. Der Markt wartet längst auf dich
Es gibt noch eine Zahl, die gegen das Warten spricht — sie zeigt nämlich, dass der Verhandlungsspielraum schon jetzt da ist. Dafür haben wir nur die Makler-Websites betrachtet, die wir seit mindestens einem halben Jahr beobachten: 367 Websites mit 34.726 Objekten. Nur dort lässt sich Standzeit überhaupt sauber messen.
| Objekte, die … online stehen | Anteil am sichtbaren Angebot |
|---|---|
| seit mindestens 30 Tagen | 81,2 % |
| seit mindestens 60 Tagen | 65,9 % |
| seit mindestens 90 Tagen | 53,6 % |
| seit mindestens 120 Tagen | 41,6 % |
| seit mindestens 180 Tagen | 13,9 % |
Basis: 34.726 Objekte auf 367 Makler-Websites, die seit mindestens 180 Tagen beobachtet werden; Median-Alter 101 Tage. Alle Werte sind Untergrenzen: Der Datenbestand beginnt am 22.02.2026, also 218 Tage vor dem Stichtag. Länger stehende Objekte erscheinen zwangsläufig jünger, als sie sind. Dass die Anteile höher liegen als in der ersten Fassung dieses Beitrags (August), liegt vor allem am längeren Beobachtungszeitraum. Ein Beleg für einen langsameren Markt ist das nicht. Eine Aufschlüsselung nach Städten wäre an dieser Stelle irreführend, weil die Makler-Websites unterschiedlich lange angebunden sind und ein Städtevergleich unsere Erfassungshistorie abbilden würde statt den Markt.
Und diese Langsteher haben ein Merkmal: Sie sind im Schnitt etwas teurer. Objekte, die seit mindestens 90 Tagen online stehen, liegen im Median bei 107 % des Median-Quadratmeterpreises ihrer Stadt. Objekte, die seit weniger als 30 Tagen stehen, liegen bei 104 %. Der Unterschied ist klein, aber er zeigt in die erwartete Richtung: Was liegen bleibt, ist eher das, was über Markt bepreist wurde.
Praktische Folge: Der Preisnachlass, auf den viele warten, existiert bereits — aber objektbezogen, nicht marktweit. Er wird nicht von der Zinspolitik ausgelöst, sondern von einem Verkäufer, dessen Objekt seit vier Monaten steht. Wer weiß, wie lange ein Objekt schon online ist, geht anders in die Verhandlung.
Wichtig zur Einordnung: Ein Objekt, das lange steht, ist nicht automatisch ein gutes Objekt zum Nachverhandeln — manche stehen aus gutem Grund. Und die Gegenrichtung gilt auch: Objekte, die deutlich unter dem lokalen Quadratmeterpreis liegen, verschwinden in den ersten drei Tagen viermal so häufig wie die teuersten. Beides zusammen ergibt die Regel für den heutigen Markt — beim günstigen Objekt schnell sein, beim teuren geduldig verhandeln. Die vollständige Auswertung dazu steht in Warum gute Immobilien so schnell weg sind.
6. Wann Warten die richtige Entscheidung ist
Nichts von alledem heißt „kauf jetzt“. Es gibt gute Gründe zu warten — sie liegen nur alle in der eigenen Situation, nicht im Markt. Diese fünf sind aus meiner Sicht die belastbaren:
- Das Eigenkapital reicht nicht für die Kaufnebenkosten. Sie liegen je nach Bundesland und Provision bei 8,5 bis 11,6 % des Kaufpreises und werden von Banken in der Regel nicht mitfinanziert. Wer sie nicht aus eigener Tasche zahlen kann, kauft zu teuer eingekauftes Risiko.
- Die Haltedauer ist unter zehn Jahren absehbar. Kaufnebenkosten plus Verkaufskosten müssen erst wieder eingespielt werden; bei einem Marktwachstum um 2 % im Jahr dauert das. Dazu kommt die Spekulationsfrist bei vermieteten Objekten.
- Die berufliche oder familiäre Lage ist offen. Ein Umzug in zwei Jahren macht aus einem soliden Kauf ein teures Zwischenspiel.
- Die Rate ist auf Kante genäht. Wer nach Rate, Nebenkosten und Rücklage nichts mehr übrig hat, hat keine Reserve für Instandhaltung — realistisch rund 1 % des Kaufpreises pro Jahr — und keine für die Anschlussfinanzierung.
- Das konkrete Objekt überzeugt nicht. Der mit Abstand häufigste und beste Grund. Bei knapp 3.000 neuen Objekten pro Woche ist Nein sagen billig.
Kein guter Grund ist dagegen: „Ich warte, bis die Preise fallen“, und seit diesem Jahr auch nicht: „Ich warte, bis die Zinsen wieder sinken.“ Beides ist keine Entscheidung, sondern ihr Aufschub auf einen Termin, den niemand nennen kann. Wie offen die Lage ist, zeigt das Bankenpanel von Interhyp vom September: Für das Jahresende erwarten je rund ein Drittel der befragten Experten steigende, gleichbleibende und fallende Bauzinsen. Das ist keine Information, auf die man eine Lebensentscheidung stützt.
7. Was dein Budget heute hergibt
Statt zu fragen, ob der Markt günstiger wird, lässt sich die konkrete Frage stellen: Was steht gerade zu welchem Preis zum Verkauf? Der bestätigte Bestand verteilt sich so:
| Angebotspreis | Objekte im Bestand | Anteil |
|---|---|---|
| unter 150.000 € | 6.960 | 10,3 % |
| unter 200.000 € | 12.688 | 18,7 % |
| unter 300.000 € | 24.394 | 35,9 % |
| unter 400.000 € | 35.078 | 51,7 % |
| unter 500.000 € | 43.035 | 63,4 % |
| unter 750.000 € | 53.705 | 79,1 % |
| unter 1.000.000 € | 59.650 | 87,9 % |
Bestätigter Bestand am 28.09.2026, Basis 67.894 Objekte mit plausiblem Angebotspreis, Wohnungen und Häuser zusammen. Die Median-Angebotspreise über den gesamten Erfassungszeitraum stehen im Kauf-Ratgeber — andere Grundgesamtheit, deshalb nicht direkt vergleichbar.
Mehr als jedes dritte Objekt liegt unter 300.000 €, gut die Hälfte unter 400.000 €. Das Marktsegment, in dem die meisten Erstkäufer suchen, ist also nicht leer, es ist nur zersplittert. Zur Einordnung: Ein Darlehen von 300.000 € kostet bei 4,3 % Zins und 2 % Tilgung rund 1.575 € im Monat, zu Jahresbeginn waren es bei 3,3 % noch 1.325 €. Wie du die Finanzierung, die Nebenkosten und den Ablauf sortierst, steht im Pillar Immobilie kaufen: Ablauf in 10 Schritten.
8. Fazit: die bessere Frage
„Kaufen oder warten?“ unterstellt, dass es einen Markt gibt, der sich in eine Richtung bewegt, und dass man diese Bewegung abpassen kann. Beides trifft nicht zu. Der Markt bewegt sich um zwei Prozent im Jahr und in verschiedenen Regionen unterschiedlich schnell. Die Zinsen sind 2026 um einen Punkt gestiegen, ohne dass jemand sagen kann, wohin sie als Nächstes gehen. Der Unterschied zwischen einem gut und einem schlecht eingekauften Objekt beträgt dagegen 31 % im selben Stadtteil.
Die bessere Frage lautet deshalb: Sehe ich genug Objekte, um beurteilen zu können, ob dieses eine im günstigen Viertel liegt? Wer bei drei Besichtigungen im halben Jahr landet, kann das nicht — und kauft dann entweder gar nicht oder zum erstbesten Preis. Wer den Zufluss von rund 3.500 Objekten pro Woche in seinem Suchgebiet tatsächlich mitbekommt, trifft eine Auswahl statt einer Notlösung.
Genau das ist der Grund, warum Wohnticker existiert: Die Objekte liegen verteilt auf fast 1.400 Makler-Websites mit im Median zehn Einträgen — sichtbar für jeden, der nachschaut, und praktisch unerreichbar für jeden, der das von Hand tun will. Wir schauen mehrmals täglich nach und melden neue Kauf-Objekte per E-Mail, sobald sie erscheinen. Nicht, weil das Warten dadurch billiger würde, sondern weil die Auswahl der Teil der Entscheidung ist, den man selbst in der Hand hat.
Methodik und was die Zahlen nicht sagen
Woher die eigenen Zahlen stammen. Wohnticker erfasst mehrmals täglich die Angebotsseiten von über 1.500 Maklern; für diese Auswertung wurden 146.221 deduplizierte Kauf-Inserate von 1.389 Makler-Websites verwendet. Der „bestätigte Bestand“ zählt Objekte, die in den letzten 48 Stunden noch auf der Website ihres Maklers gefunden wurden. Dedupliziert wird über Makler, Titel, Preis und Wohnfläche. Aggregator-Portale sind ausgeschlossen, ebenso die ersten 14 Tage jeder neu aufgenommenen Quelle, weil dort der komplette Altbestand als vermeintlich neu erscheint.
Es sind Angebots-, keine Abschlussdaten. Wir sehen, was ausgeschrieben wird, nicht, was notariell beurkundet wurde. Die tatsächlichen Kaufpreise liegen typischerweise darunter. Die Auswertung beschreibt außerdem den Teil des Marktes, der über Makler-Websites läuft — nicht den gesamten deutschen Immobilienmarkt.
Die Preisspanne enthält Qualitätsunterschiede. Sie ist ausdrücklich kein Maß für Über- oder Unterbewertung einzelner Objekte. Kontrolliert wurden Stadt, Stadtteil und Größenklasse — nicht Zustand, Baujahr, Energiestandard, Etage, Ausstattung oder Rechte Dritter. Genau deshalb ist der Stadtteil-Wert (+31 %) und nicht der Stadt-Wert (+75 %) die belastbare Aussage.
Standzeiten sind Untergrenzen. Der Datenbestand beginnt am 22.02.2026. Objekte, die davor schon inseriert waren, erscheinen jünger, als sie sind. Deshalb werden nur Websites ausgewertet, die seit mindestens 180 Tagen beobachtet werden, und es gibt bewusst keine Aufschlüsselung nach Städten: Die Makler-Websites sind unterschiedlich lange angebunden, ein Städtevergleich würde unsere Erfassungshistorie messen statt den Markt.
Keine Zeitreihe. Die eigenen Daten liegen erst seit Sommer 2026 im vollen Quellenumfang vor. Aussagen über eigene Vorjahresvergleiche wären nicht belastbar. Die Preisentwicklung in diesem Beitrag stützt sich deshalb vollständig auf vdp, Destatis und GREIX. Auch die Unterschiede zur ersten Fassung vom August (mehr Bestand, mehr Neuzugänge, mehr Langsteher) kommen aus der breiteren Erfassung und dem längeren Beobachtungszeitraum, nicht aus dem Markt.
Reproduzierbarkeit. Alle eigenen Werte stammen aus einem dokumentierten Auswertungsskript und werden bei jeder Aktualisierung dieses Beitrags neu berechnet, nicht fortgeschrieben.
Häufige Fragen
Soll ich jetzt eine Immobilie kaufen oder noch warten?
Die Marktlage hat sich 2026 bewegt, aber nicht in eine Richtung, die fürs Warten spricht: Die Bauzinsen für zehnjährige Zinsbindung sind seit Jahresbeginn um rund einen Prozentpunkt gestiegen, die Preise steigen nur noch langsam (vdp-Immobilienpreisindex Q2 2026: +1,9 %, Statistisches Bundesamt: +0,6 % gegenüber dem Vorjahresquartal). Entscheidend ist deshalb nicht der Markt, sondern das einzelne Objekt. In unserer Auswertung liegen zwischen dem günstigen und dem teuren Viertel des Angebots selbst bei gleicher Stadt, gleichem Stadtteil und gleicher Wohnungsgröße rund 31 % Unterschied im Quadratmeterpreis. Beim aktuellen Indextempo bräuchte der Gesamtmarkt dafür knapp 15 Jahre. Wer kaufen will und finanzieren kann, gewinnt durch Auswahl deutlich mehr als durch Abwarten.
Wann sinken die Immobilienpreise wieder?
Das lässt sich seriös nicht vorhersagen, und die aktuellen Daten zeigen bundesweit keinen Rückgang: Der vdp-Index für Wohnimmobilien stieg im zweiten Quartal 2026 um 1,9 % gegenüber dem Vorjahresquartal, das Statistische Bundesamt meldete ein Plus von 0,6 %. Inflationsbereinigt sind Eigentumswohnungen laut GREIX allerdings 2,1 % günstiger als ein Jahr zuvor. Nach dem letzten starken Zinsanstieg ab 2022 gingen zuerst die Verkaufszahlen zurück und erst danach, schwächer, die Preise: bei Eigentumswohnungen gut 30 % weniger Verkäufe bei rund 15 % niedrigeren Preisen. Wer auf einen erneuten Rückgang wartet, wartet auf ein Ereignis ohne Termin.
Wie hoch sind die Bauzinsen aktuell?
Mit Stand 29.09.2026 liegen die Konditionen für zehnjährige Zinsbindung laut Interhyp bei 4,15 bis 4,52 % effektivem Jahreszins, je nach Beleihungsauslauf (unter 70 % bis über 90 %); die Bestkondition bei Dr. Klein lag am 29.09.2026 bei 4,27 %, zu Jahresbeginn noch bei 3,28 %. Damit sind die Bauzinsen 2026 um rund einen Prozentpunkt gestiegen und liegen auf dem Niveau des bisherigen Hochs der Zinswende: In der Reihe der FMH-Finanzberatung erreichten sie am 11.09.2026 4,29 %, gegenüber 4,24 % Ende Oktober 2023. Treiber ist die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen, die mit 3,62 % den höchsten Stand seit Juni 2009 erreicht hat; die EZB hat den Einlagensatz am 10.09.2026 auf 2,50 % angehoben.
Was kostet es, ein Jahr mit dem Immobilienkauf zu warten?
Rechnerisch drei Dinge gleichzeitig: weiter gezahlte Miete, eine mögliche Preisbewegung von rund 2 % nach oben beim derzeitigen Indextempo, und die Objekte, die in dieser Zeit vorbeiziehen. Der letzte Punkt ist der größte und wird meist übersehen: Auf den erfassten Makler-Websites erscheinen im Median 3.476 neue Kauf-Objekte pro Woche, hochgerechnet rund 90.000 in sechs Monaten und rund 181.000 in einem Jahr. Warten ist damit keine Pause, sondern ein Verzicht auf Auswahl.
Lohnt sich der Immobilienkauf 2026 noch?
Für Selbstnutzer hängt das an drei Dingen, die nichts mit dem Markt zu tun haben: gesicherte Finanzierung inklusive Kaufnebenkosten von 8,5 bis 11,6 %, eine geplante Haltedauer von mindestens zehn Jahren, und ein Objekt, dessen Preis im unteren Bereich seiner lokalen Vergleichsgruppe liegt. Sind diese drei Punkte erfüllt, ist das Marktumfeld zweitrangig; fehlt einer davon, hilft auch ein besseres Marktumfeld nicht. Für Kapitalanleger kommt die Renditerechnung hinzu — dazu gibt es einen eigenen Ratgeber.
Wann ist der beste Zeitpunkt für den Hauskauf im Jahr?
Einen verlässlichen saisonalen Preisvorteil gibt es nicht. Was es gibt, ist ein Rhythmus im Angebot: Neue Kauf-Objekte erscheinen fast ausschließlich werktags, freitags am meisten und sonntags am wenigsten. Wichtiger als der Monat ist die Vorbereitung — wer eine schriftliche Finanzierungsbestätigung hat, bevor das passende Objekt auftaucht, kann zu jedem Zeitpunkt zugreifen. Wer sie nicht hat, verpasst auch im vermeintlich besten Monat.
Sind Immobilien in Deutschland aktuell überbewertet?
Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, weil es den einen deutschen Immobilienmarkt nicht gibt. Das Statistische Bundesamt zeigt das für Q2 2026 deutlich: In kreisfreien Großstädten außerhalb der sieben Metropolen stiegen die Preise für Eigentumswohnungen um 2,0 % gegenüber dem Vorjahresquartal, in den sieben größten Städten sanken sie um 0,4 %, in dicht besiedelten ländlichen Kreisen um 1,8 %. Auch innerhalb einer Stadt ist die Streuung groß: In Köln liegt das teure Viertel des Wohnungsangebots 75 % über dem günstigen. Über- oder unterbewertet ist deshalb immer ein einzelnes Objekt, nicht der Markt.
Ist es besser, auf niedrigere Zinsen oder auf niedrigere Preise zu warten?
Beides ist eine Wette auf etwas, das man nicht beeinflusst. Ein Zinspunkt ist viel Geld: Bei gleichbleibender Monatsrate von 1.575 € und 2 % Anfangstilgung verändert er das finanzierbare Darlehen um rund 41.000 € nach unten oder 57.000 € nach oben, und genau dieser Punkt ist 2026 bereits passiert. Der Preisunterschied innerhalb des Angebots ist aber von derselben Größenordnung und heute schon verfügbar: 31 % Spanne bedeuten auf ein Objekt von 300.000 € rund 93.000 €. Der Unterschied ist, dass die Objektauswahl in deiner Hand liegt und die Zinsentwicklung nicht.
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Die eigenen Auswertungen stammen aus den von Wohnticker auf Makler-Websites erfassten Kauf-Inseraten, Stand 28.09.2026; es handelt sich um Angebots-, nicht um Abschlussdaten. Marktzahlen zu Preisindex und Zinsen sind extern belegt und verlinkt (Stand 29.09.2026). Sie sind volatil und können zum Zeitpunkt des Lesens abweichen. Dieser Artikel ist eine Marktbeobachtung und keine Anlage-, Finanzierungs-, Steuer- oder Rechtsberatung. Die Finanzierungsrechnung ist ein vereinfachtes Beispiel ohne Sondertilgung, Gebühren oder Förderungen; individuelle Konditionen hängen von Bonität, Eigenkapital und Objekt ab.
Über den Autor
David Jurinka ist Gründer von Wohnticker. Aus der eigenen, zermürbenden Immobiliensuche heraus hat er einen Dienst gebaut, der mehrmals täglich die Websites von über 1.500 Maklern nach neuen Objekten durchsucht — und dadurch täglich mitmisst, welche Objekte zu welchem Preis erscheinen und wie lange sie stehen bleiben. Mehr über Wohnticker.
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